SHENZHEN | CHINA

FRAMING THE CITY 

Shenzhen liegt im Süden Chinas und grenzt unmittelbar an Hongkong. Es ist eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt. Vor rund 30 Jahren ordnete Premierminister Deng Xiaoping an, die Sonderwirtschaftszone Shenzhen zu errichten. Aus einem kleinen Fischerdorf mit 30.000 Einwohnern entstand in den vergangenen 40 Jahren eine Metropole mit über zwölf Millionen Menschen. Das führte zu tiefgreifenden Veränderungen der Landschaft. Das ursprünglich hügelige Gebiet mit fruchtbarem Ackerland wurde für die für Stadtentwicklung im geologischen Profil maßgeblich verändert. Shenzhen ist die Stadt mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen in China. In der Liste der Städte nach Anzahl an Wolkenkratzern belegt die Stadt den 6. Platz. Die Immobilienpreise der Stadt gehören zu den höchsten des gesamten Landes. Shenzhen gilt als das Silikon Valley Chinas.

IN BETWEEN

29.09.2018

Der Bahnhof für den Highspeed Train in Hongkong ähnelt einem Flughafen. Nach einer gefühlten Ewigkeit in der Warteschlange gelingt es mir ein Ticket am Schalter für den neuen Zug zu erstehen, der für die Strecke von Hongkong und Shenzhen  lediglich 17 Minuten benötigt. Nach einer ebenso langen Immigration Procedure, bei der sämtliche Daten meiner Person aufgenommen werden, gehe ich zum Gate, das jedoch erst kurz vor Eintreffen des Zuges betreten werden darf. Der Zug sieht aus wie ein modernes Flugzeug. An den Ein- und Ausstiegen befinden sich geschlossene und von Sicherheitskräften bewachte  Glaswände, bzw. Türen, so dass man sich von einer Parallelwelt zur anderen bewegt. Mit Betreten des Zuges überschreite ich die unsichtbare Grenze.

ARRIVING

IN SHENZHEN

29.09.2018

 

Schaut man hinter die Kulisse der überall gegenwärtigen Hochglanzarchitektur finden sich vereinzelt ein paar urbane Viertel wie das OCT - Overseas Chinese Town aus den Anfängen der Stadt. Neue Wolkenkratzer nehmen die Sicht in die einfachen Mietskasernen. Eine Mischung aus schnell wachsenden Hochhausbauten und einfachen Bauten aus den Entstehungsjahren der jungen und schnell wachsenden Stadt im Süden Chinas. Die Balkone sind fast überall vergittert, so entsteht zusätzlicher Raum für vielfältige Nutzungen. Verborgen hinter glänzenden Großstadtfassaden und architektonischen Visionen der Zukunft wird das urbane Leben vergangener und gegenwärtiger Zeit sichtbar.

THE HARBOUR

30.09.2018

 

Die Stadt lockt mit Ihren zahlreichen Freizeitangeboten wie dem Window of the World, Happy Valley und weiteren Freizeitparks aus unterschiedlichen Zeiten und kulturellen Räumen, einem gigantischen botanischen Garten und Golfplätzen, die inmitten der Stadt geplant sind. Die Orte zeichnen sich durch großzügig angelegte Plätze und Wege aus. Menschen wirken hier wie Miniaturen auf einem fremden Planeten. OCT Harbour ist eine Mischung aus künstlich angelegtem Hafen mit See, Shopping- und Gastronomiebereichen aus aller Herren Länder. Tagsüber erscheint es wie eine surreale Geisterstadt um bei Nacht bunt erleuchtet zum Leben zu erwachen.

PARADISE 4.0

01.10.2018

Chinesischer Nationalfeiertag.

Ich mache mich auf den Weg ins digitale Herz der Stadt. Huaquinagbei hat den Spitznamen nicht umsonst verdient. Hier reihen sich Gebäude an Gebäude, in denen sich die Elektronikmarktplätze nahtlos aneinanderreihen. Hier gibt es alles zu kaufen, was das digitale Herz begehrt. Die Einkaufsstraße gleicht einer riesigen Allee wie aus einer Filmkulisse, auf Schritt und Tritt begleiten mich Geräusche aller Art aus den unterschiedlichsten Quellen. Zeitgenössische Musik beschallt den visuell klar gestalteten und aufgeräumten Stadtraum und entführt den Betrachter in die verlockende Welt des Konsums. Huaquinagbei ist ein Shopping Paradies der Superlative, hier reiht sich ein Flagship-Store und Electronic Market an den anderen. Im Inneren gleichen die einzelnen Gebäude einem Labyrinth. 

LIVING IN

A BOX

02.10.2018

 

Die OCT Lofts sind ehemalige Fabrikhallen aus der Entstehungszeit der Stadt, in denen Produkte für den Export ins Ausland gefertigt wurden. Heute residieren hier Architekten, Designer und Künstler in modernen Lofts. Zeitgenössische Architektur grenzt an Bauten, die unterschiedliche Nutzungen widerspiegeln. Nur noch wenige Räume inmitten dieser Stadt sind noch nicht mit CCTV Kameras ausgestattet. Ein Gefühl von Freiheit auf den Dächern über der Metropole Shenzhen. 

NIGHTSCAPES

02.10.2018

Betrachte ich das versteckte ruhige Viertel, das noch nicht den glänzenden und anonymen Hochhausbauten weichen musste, fallen mir Details ins Auge, die das Leben im urbanen Viertel so besonders machen, die Natur, die sich ihren eigenen Raum in der Stadt erobert, die kleinen und ruhigen Plätze inmitten der Metropole, die den Menschen zum Verweilen einladen.

204-224

03.10.2018

 

Angekommen am Bahnhof Dafen begebe ich mich auf die Suche nach dem berühmten “Künstlerdorf”. Doch zunächst werde ich an einer scheinbar unendlichen Anordnung identischer Hauseingänge vorbeigeführt. Erst im Detail unterscheiden sich die Fassaden voneinander und machen die unterschiedlichen Nutzungen durch die Bewohner sichtbar. Das “Künstlerviertel” Dafen liegt hinter einer monotonen Bebauung verborgen und entpuppt sich als Labyrinth voller Werkstätten, Ateliers und Galerien. 

INSIDE

BAISHIZHOU

4.10.2018

Inmitten des urbanen Viertels Baishizhou, in dem die Häuser so dicht beieinander gedrängt stehen, dass das Tageslicht nur die oberen Stockwerke erreicht herrscht eine ganz eigentümliche Lichtstimmung, immer wieder durchbrochen von direktem Sonnenlicht. Das Viertel stammt aus der Zeit der 60er und 70er Jahre, in dem immer mehr Wanderarbeiter in die Stadt kamen und Wohnraum suchten. Durch die “hand-shake” Architektur wurde es möglich den zunächst begrenzten Stadtraum effektiv zu nutzen.  Es ist eines der wenigen noch verbliebenen urbanen Viertel der Stadt, die nach und nach den neu geplanten “Gated Communities” bzw. neuen Bürotürmen weichen müssen. 

SHUN HING

SQUARE

4.10.2018

 

In den 90er Jahren gebaut war der „Diwang Dasha“ der erste und höchste Wolkenkratzer Chinas. Heute überragt von weiteren Wolkenkratzern der Superlative ergibt sich hier oben ein neuer Eindruck der Stadt. Etwa so groß wie das Ruhrgebiet dominieren hier die weißen und verglasten Türme das Stadtbild. Die großen Straßen wie der Shennan Blvd. führen durch die gesamte Stadt wie eine Ader. Eingeschlossen zwischen Wolkenkratzern der Zukunft sind noch wenige urbane Viertel im Stadtbild sichtbar.

BI-CITY

NANTOU

05.10.2018

 

Bi-City Biennale Of Urbanism/Architecture ist eines der Beispiele für einen neuen reflektierenden Umgang mit dem Thema „Stadtentwicklung“. In dem Altstadtviertel Nantou fand Ende 2017/Anfang 2018 die 7. Edition statt. Architektonische und künstlerische Interventionen sollten den Blick auf den Umgang mit kulturellen und urbanen Räumen und deren Veränderung inmitten der Stadtentwicklung beleuchten. Doch erscheinen diese Interventionen so marginal in der dicht besiedelten Metropole, dass sich die Frage stellt, welche tatsächliche Bedeutung sie im Rahmen der gesellschaftlichen Wahrnehmung haben.